MODUL M²OLIE TUMORBOARD

Das Modul „Tumorboard“ adressiert die zentrale Rolle interdisziplinärer Tumorboards in der Versorgung von Patient:innen mit Oligometastasen. Ziel ist es, die Planung, Durchführung und Entscheidungsfindung im Tumorboard durch eine strukturierte, digitale und datengetriebene Unterstützung nachhaltig zu verbessern und damit die Qualität sowie Effizienz der Therapieentscheidungen zu erhöhen. Das Modul ist im Closed-Loop-Prozess an der Schnittstelle zwischen Diagnostik, Therapieplanung und klinischer Entscheidungsfindung angesiedelt. Es integriert relevante Bild-, Patienten- und Befunddaten aus unterschiedlichen Quellen, bereitet diese strukturiert auf und stellt sie für das Tumorboard kontextsensitiv zur Verfügung. Die im Tumorboard getroffenen Entscheidungen fließen wiederum in nachgelagerte Therapie- und Evaluationsprozesse ein und bilden die Grundlage für kontinuierliches Lernen und Optimierung.

Inhaltlich baut das Modul auf Vorarbeiten des Forschungscampus auf, insbesondere auf bestehende digitale Infrastrukturen, Datenmodelle und erste Anwendungen zur Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse. In der dritten Förderphase liegt der Fokus auf der Integration, Erweiterung und klinischen Validierung dieser Ansätze im realen Tumorboard-Alltag. Für Patient:innen mit Oligometastasen bedeutet dies eine verbesserte Patient Journey: Relevante Informationen stehen vollständig und strukturiert zur Verfügung, Therapieoptionen können leitlinienbasiert und interdisziplinär bewertet werden, und Entscheidungsprozesse werden transparenter und nachvollziehbarer. Dadurch sollen Verzögerungen reduziert, Therapieentscheidungen präzisiert und die Versorgungsqualität insgesamt gesteigert werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie ist ein zentrales Element des Moduls. Klinische Partner definieren Anforderungen aus dem Versorgungsalltag und bringen medizinische Expertise ein, während industrielle Partner digitale Lösungen entwickeln, implementieren und hinsichtlich Skalierbarkeit, Nutzerfreundlichkeit und Integration in bestehende Systeme optimieren. Die Entwicklung erfolgt iterativ und anwendungsnah. Patient:innen werden indirekt über die systematische Berücksichtigung klinischer Outcomes, die Evaluation der Versorgungsprozesse sowie perspektivisch über patientenberichtete Endpunkte in die Forschung eingebunden. Ziel ist eine konsequent patientenzentrierte Weiterentwicklung des Tumorboard-Prozesses.

M²OLIE TUMORBOARD: TEILVORHABEN

Bereitstellung der Daten

Ziel des Teilvorhabens ist die Bereitstellung von Schnittstellen zur Integration klinischer Daten in das c37.TumorBoard. Dazu gehört die Anbindung des QIT PACS an das Klinik-PACS zur Integration bildgebender Diagnostik. Über Patientendaten-Schnittstellen zum KIS werden klinische Basisdaten der Patientinnen und Patienten übernommen. Eine externe Datenschnittstelle ermöglicht zudem die Einbindung spezialisierter Befunde und Analysen aus Pathologie, Diagnostik und Genetik. Ergänzend erfolgt die Anbindung an Prometheus/Cockpit, um weitere relevante Datenquellen in den Gesamtprozess zu integrieren. Kooperationspartner des Vorhabens sind celsius37, Universitätsmedizin Mannheim, Universität Heidelberg sowie MintMedical. Im M²OLIE-Prozess ist das Teilvorhaben nach Biopsie, Labor und Diagnostik verortet. Es schafft die technische und prozessuale Grundlage für die strukturierte Fallbesprechung im c37.TumorBoard.

Planungsoptimierung

Ziel des Teilvorhabens ist die Erstellung von Templates zu den Behandlungsabläufen sowie die strukturierte Vorbereitung der Patientenvorstellung im Tumorboard. Zur Unterstützung der vollständigen und qualitätsgesicherten Fallvorbereitung werden Templates zu den Behandlungsabläufen entwickelt. Zusätzlich soll die Vorbereitung für die Kompaktvorstellung im Tumorboard erfolgen, um eine übersichtliche und effiziente Präsentation aller entscheidungsrelevanten Informationen zu ermöglichen. Kooperationspartner des Vorhabens sind celsius37, Universitätsmedizin Mannheim sowie Universität Heidelberg. Im Closed-Loop-Prozess ist das Teilvorhaben nach Biopsie, Labor und Diagnostik im Übergang zur Therapie angesiedelt und unterstützt die strukturierte Therapieplanung im Tumorboard.

Prozessoptimierung

In diesem Teilvorhaben wird der Tumorboard-Prozess im c37.TumorBoard gezielt optimiert. Dazu gehört die Anpassung des Anmeldeformulars mit automatischem und patientenspezifischem Datenimport von Bild-, Labor- und Pathologieergebnissen über die vorhandenen Schnittstellen. Die Darstellung der Bildgebung innerhalb des Tumorboards soll optimiert, und während der Fallbesprechung ein direkter Zugriff auf alle relevanten Befunde bestehen. Darüber hinaus wird eine Ad-hoc- bzw. asynchrone Tumorboard-Applikation entwickelt und in das celsius37-System integriert. Diese Lösung ermöglicht eine flexible, zeit- und ortsunabhängige Bearbeitung von Fällen, insbesondere über mobile Endgeräte wie Tablets. So wird eine interdisziplinäre Abstimmung auch außerhalb der regulären Tumorboardzeiten möglich, was die Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit im klinischen Entscheidungsprozess erheblich steigert. Kooperationspartner des Vorhabens sind celsius37, Universitätsmedizin Mannheim und die Universität Heidelberg. Das Teilvorhaben ist im Closed-Loop-Prozess nach Biopsie, Labor und Diagnostik im Übergang zur Therapie angesiedelt und optimiert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung

Entwicklung von Entscheidungsalgorithmik

Ziel des Teilvorhabens ist die Integration aktueller nationaler und internationaler Behandlungsleitlinien sowie relevanter Studieninformationen über Web-Links, um die leitlinienbasierte Therapieentscheidungsfindung im Tumorboard zu unterstützen. Als Lösungsansatz werden zunächst aktuelle deutsche und internationale Behandlungsleitlinien in das System integriert. Zusätzlich erfolgt die Verlinkung zu relevanten Studien sowie zu Protokollen laufender Studien. Auf Basis der strukturiert vorliegenden Patientendaten und Befunde wird während des Tumorboards automatisiert eine leitlinienbasierte First-Line-Therapieempfehlung generiert. Im Rahmen dieses Arbeitspakets erfolgt nur die Implementierung einer First-Line-Therapieempfehlung. Perspektivisch ist die Erweiterung um Second-Line-Therapieempfehlungen vorgesehen. Kooperationspartner dieses Vorhabens sind celsius37, Universitätsmedizin Mannheim sowie Universität Heidelberg. Im Closed-Loop-Prozess ist das Teilvorhaben nach Biopsie, Labor und Diagnostik im Übergang zur Therapie angesiedelt und optimiert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung.

Klinische Studien

Ziel des Teilvorhabens ist die wissenschaftliche Evaluation der mobilen Applikation, des Ad-hoc-Tumorboards, des asynchronen Tumorboards sowie der Entscheidungsalgorithmik anhand prospektiver Studien und bereits vorhandener Patientendaten. Das Teilvorhaben verfolgt mehrere Lösungsansätze:

  • Mobile Applikation: Durchführung eines Tumorboards mit mindestens einem Teilnehmer über die mobile Applikation (mobile App auf Tablet) sowie anschließender Evaluation der Anwenderzufriedenheit und Tumorboardteilnehmer.
  • Ad-hoc-Tumorboard: Durchführung eines Ad-hoc- Tumorboards mit einem selektierten, prospektiv eingeschlossenen Patientenkollektiv (z.B. Sarkompatient:innen), Evaluation der Durchführbarkeit, Akzeptanz und interdisziplinären Teilnahme.
  • Asynchrones Tumorboard: Durchführung eines asynchronen Tumorboards vor der Durchführung eines Live-Tumorboards mit einem anschließenden Vergleich der Therapieentscheidungen zwischen den beiden Tumorboard-Sitzungen.
  • Live-Tumorboard: Durchführung eines Tumorboards unter der Nutzung der neu integrierten Entscheidungsalgorithmen (beispielhaft bei Sarkompatient:innen). Anschließend wird eine Evaluation der generierten Therapieempfehlungen im Vergleich zu ärztlichen Empfehlungen sowie Bewertung der praktischen Implementierbarkeit durchgeführt.

Kooperationspartner dieses Vorhabens sind celsius37, Universitätsmedizin Mannheim sowie die Universität Heidelberg. Im M²OLIE-Closed-Loop-Prozess ist das Teilvorhaben nach Biopsie, Labor und Diagnostik im Übergang zur Therapie angesiedelt und dient der wissenschaftlichen Validierung der digitalen Entscheidungsunterstützung vor Therapiebeginn.